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Organspende: ein Soll
für alle, ein Segen für viele
Symposium des Transplantationsreferates Österreich-Nord
mit der Nieren-Selbsthilfegruppe und dem
Religionspädagogischen Institut der Diözese Linz am 17.
November 2006
im Ausbildungszentrum Wagner-Jauregg Linz

Die 3 Stützen
der künftigen Jugendarbeit: Helga Lukas - Primar Dr.
Löffler - Mag. Schlager-Weidinger
Menschen,
die Gutes verwirklichen wollen, erzielen erstaunliche
Erfolge, wenn sie sich über die Grenzen ihrer
Vereinigungen und Institutionen hinweg
zusammenschließen.
In Oberösterreich gab Hofrat Primar Dr. Walter Löffler als Transplantationsreferent den
„Startschuss“ dazu, als er vor einigen Jahren begann, die
Ärzteschaft und Pflegepersonen seiner großen
Intensivstation an der Landesnervenklinik Wagner-Jauregg
Linz mit jenen Menschen zusammenzubringen, für welche
sie in aufopfernder Arbeit Organspender betreuen und
Organe für die Menschen auf den
Transplantations-Wartelisten bereitstellen. Die Ärzte,
Schwestern und Pfleger leisten eine sehr harte und
seelisch höchst schwierige Arbeit, ohne je deren Früchte
zu sehen; nämlich gesunde und lebensfrohe
transplantierte Menschen!
Diese Idee
hat Früchte für beide Seiten gezeitigt. Aus ersten
gemeinsamen Treffen ist eine tragfähige und äußerst
fruchtbare Zusammenarbeit entstanden. Als Helga Lukas,
die Obfrau der Nieren-Selbsthilfegruppe, im vergangenen
Jahr dem Primarius ihren Plan vorlegte, die Idee der
Organspende an Jugendliche in Schulen heranzutragen, war
er sofort Feuer und Flamme. Denn von den jungen Leuten
hängt es ab, welche Einstellung und welche Bedingungen
in Zukunft herrschen werden – ob weiterhin kranke
Menschen von der Gesellschaft solidarisch mitgetragen
werden, oder ob sich die Tendenz wachsender Egozentrik
noch stärker durchsetzt.
Organspende als eine Liebesgabe - sogar über den Tod
hinaus! Dieser zutiefst humanitäre Gedanke ist
großartig geeignet, das Gefühl der Verantwortlichkeit
und Nächstenliebe in unseren jungen Menschen
wachzurufen!
Der
oberösterreichische Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer
sagte dem Projekt im November 2005 seine Unterstützung
zu. Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer
lud Frau Lukas und Primar Löffler am 20. April
2006 zu
einem Grundsatzgespräch über dieses Thema ein. Bei dem
sehr fruchtbaren Gespräch war (neben Frau Ilse
Mühlbacher und der Psychologin Mag.Daniela Schneider)
auch Mag. Thomas Schlager-Weidinger anwesend. Dieser
stellte als Medienpädagoge des Religionspädagogischen
Instituts der Diözese Linz in weiterer Folge die
Weichen, dass die katholische Kirche als „Dritte im
Bunde“ für die ganze neue Art von Jugendarbeit gewonnen
werden konnte.
Ein erster
sichtbarer Erfolg der Zusammenarbeit dieser drei Partner
war das am 17. November 2006 im Bildungszentrum des
Wagner-Jauregg-Krankenhauses stattfindende Symposium,
an welchem die führenden österreichischen Kapazitäten
aus dem Bereich Transplantation, Ethik und Selbsthilfe
teilnahmen. Knapp fünfzig Religionslehrer nutzten die
Einladung des Religionspädagogischen Instituts als
Fortbildungsveranstaltung und erhielten wertvolle
Informationen aus erster Hand. Auch Lehrkräfte anderer
Fächer waren anwesend, sowie Vertreter der
Hospizbewegung und mehrere Betroffene. Als besondere
Auszeichnung und als Hinweis auf die Ernsthaftigkeit,
mit welcher die katholische Kirche das Thema Organspende
in den Religionsunterricht einbinden will, ist die
Anwesenheit von Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz
zu werten, welcher in einer kurzen Grußansprache auf
diese großartige Ausdrucksform christlicher
Nächstenliebe einging und die Wichtigkeit dieser
Bestrebungen für die Schüler des Landes betonte. Aus
Graz war Gerold Schackl, der Präsident des
Dachverbandes Arge Niere Österreich, zusammen mit dem
Obmann der steirischen Selbsthilfegruppe Rolf Klinger
angereist, um den Start für das zukunftsweisende Projekt
zu unterstützen und Impulse für die anderen Bundesländer
mitzunehmen.

Als besondere
Auszeichnung und Wertschätzung darf die Anwesenheit der
beiden führenden österreichischen
Transplantations-Chirurgen Professor Dr. Ferdinand
Mühlbacher aus Wien (Transplanteur von Niki Lauda
und Franz bzw. Christine Vranitzky ) und Professor
Dr. Raimund Margreiter aus Innsbruck (er
transplantierte dem Bombenopfer Theo Kelz beide Hände)
gelten. So ist es durchaus nicht verwunderlich, dass das
österreichische Fernsehen (ORF) Notiz davon nahm und
noch am selben Abend einen Beitrag darüber ausstrahlte.
Wenden wir
uns nun dem Ablauf des Symposiums zu: Nach der Eröffnung
durch Prim. Dr. Walter Löffler um 9 Uhr begrüßten Helga
Lukas für die Selbsthilfegruppe und Mag. Thomas
Schlager-Weidinger für das Religionspädagogische
Institut die Anwesenden sehr herzlich. Sie skizzierten
darin ihre Positionen und gemeinsamen Zielvorstellungen.
Die Selbsthilfegruppe feiert dieses Jahr übrigens das
25-jährige Bestandsjubiläum.
Mag.
Thomas Schlager-Weidinger präzisierte: „Der
Religionsunterricht soll zu verantwortlichem Denken und
Verhalten im Hinblick auf Religion und Glauben
befähigen. Die Schüler sollen damit ihren
Lebenssituationen nicht fraglos, sprachlos und
orientierungslos gegenüberstehen, sondern zu einer
verantwortlichen Deutung der Gesamtwirklichkeit und des
eigenen Lebens geführt werden. Das Fach Religion
eröffnet für die Schüler die Möglichkeit, für sich
selbst ethische Werte ohne Notendruck zu reflektieren
und zu diskutieren. Aus diesem Grund war es für das
Religionspädagogische Institut selbstverständlich,
dieses äußerst wichtige Thema im Fortbildungsprogramm
aufzunehmen und durch die Lehrkräfte als Multiplikatoren
und Schnittstellen zu den Schülern zu bringen.“
Stefan
Horner, der kaufmännische Leiter des Hauses, freute
sich in seinem Willkommensgruß über die „historische
Stunde“ und die Zukunftsperspektiven, die sich dadurch
eröffnen. Er lud alle Anwesenden zum späteren
gemeinsamen Mittagessen herzlich ein.
Die
vorgetragenen Themen waren reichhaltig und daher in zwei
Blöcke am Vormittag und zwei am Nachmittag gegliedert,
die jeweils von kompetenten Experten moderiert wurden.
Diese leiteten auch die Diskussionen, welche sich an die
einzelnen Referate anschlossen und an Lebhaftigkeit und
Aktualität nichts zu wünschen übrig ließen.

Die Themen und ihre Referenten:
Rechtliche
Lage der Organentnahme in Österreich (Prof. Dr. iur.
Alfred Haslinger, Linz); Ethische Aspekte der
Transplantationsmedizin (Univ.Prof.Dr. Helmut Renöckl,
Linz/Budweis); Gibt es Alternativen zur
Organtransplantation? (Univ.Prof.Dr.Ferdinand
Mühlbacher, Wien); Feststellung des Hirntodes (Univ.Doz.
Dr. Hans-Peter Haring, Linz); Spenderpflege und
Betreuung der Angehörigen (DGKS Brigitte Enengel, Linz),
Psychologische Aspekte im Umgang mit Angehörigen von
Organspendern ( Mag. Daniela Schneider, Linz);
Organtransplantation in Europa (Elisabeth Netter,
Lungentransplantierte, Wien); Fünf Jahre
Transplantationsreferat Nord (Mag. Theresia Unger,
ÖBIG-Transplant Wien; Aufgaben er Gesundheitspolitik im
Organspendewesen (Prim.Dr. WalterAichinger, Wels); Was
leistet die Transplantationschirurgie heute? (Univ.Prof.
Dr.RaimundMargreiter, Innsbruck); Lebendspende ist
Liebesspende (Walter Kiesenhofer, Linz. Er lebt mit
einer Niere seiner Gattin).
Aus
Platzgründen können leider nicht alle Referate der bis
17 Uhr dauernden Veranstaltung geschildert werden. Es
seien hier nur die Grußworte der Vertreter von
Selbsthilfe und Kirche herausgegriffen; ebenso ein
kurzer Bericht über die Referate der beiden „Stars“ der
Veranstaltung, Prof. Ferd. Mühlbacher und Prof. Raimund
Margreiter:
* * * * *
Grußadresse von
Obfrau Helga Lukas
Die
Vereinigung der Dialysepatienten und
Nierentransplantierten Oberösterreichs, deren Obfrau
Helga Lukas seit 1995 ist, strebt eine Förderung der
Organspende nach Kräften an. Dabei sucht sie die
Zusammenarbeit mit allen Kräften, die dieses Ziel
unterstützen können.
Helga Lukas
hat das Symposium zusammen mit dem
Transplantationsreferenten Primar Dr. Walter Löffler
initiiert und gab bei der Begrüßung ihrer großen Freude
Ausdruck, dass das Religionspädagogische Institut sich
als starker und aufgeschossener Partner erwiesen hat.
Vor allem begrüßte sie die Bereitschaft, die Idee der
Organspende in den Religionsunterricht an
oberösterreichischen Schulen zu integrieren. Sie empfand
es als große Auszeichnung, dass Diözesanbischof Dr.
Schwarz persönlich erschienen war und wies darauf hin,
dass acht Jahre zuvor Kardinal Dr. König beim Zweiten
Europäischen Tag der Organspende in Wien sich ebenfalls
persönlich dafür eingesetzt hatte.
Obfrau Helga
Lukas drückte im Namen aller betroffenen Patienten die
große Dankbarkeit dieser Menschen aus: “Wir dürfen
weiterleben durch die Wissenschaft, die Kunst der
Medizin, durch den Einsatz hochqualifizierter Ärzte,
durch die gesetzliche Lage sowie durch die
Sozialversicherung in Österreich und der damit
verbundenen Solidarität aller Menschen. Es gibt in
Wahrheit keine Zweiklassenmedizin. Auch jeder arme
Mensch wird in unserem Land transplantiert und
medizinisch optimal behandelt. Unser Ziel ist es, dass
die Organspende als Liebesgabe über den Tod hinaus und
als letztes großes Geschenk an Mitmenschen von allen in
dieser Weise empfunden und verinnerlicht wird. Wir
wollen auch darauf achten, dass die Widerspruchslösung
als optimale demokratische und humanitäre Entscheidung
des Gesetzgebers generelle Akzeptanz findet.“
Sie wünschte
allen Teilnehmern einen angenehmen Verlauf des Tages und
reges Interesse an den gebotenen Informationen in
ethischer, juristischer, medizinischer und menschlicher
Hinsicht und dankte allen erschienenen Referenten. Ihr
Wunsch an die Teilnehmer: „Ich bitte Sie ganz herzlich,
Ihre Erkenntnisse in ihrem Lebens- und Wirkensbereich im
Rahmen Ihrer beruflichen, sozialen und religiösen
Verantwortung so weiter zu geben, dass sie zum Segen für
alle werden, die auf ein lebensrettendes Organ
angewiesen sind.“
Grußworte des
oberösterreichischen Diözesanbischofs Dr. Ludwig Schwarz
Schon Papst
Johannes Paul II. hat anlässlich eines in Rom
stattfindenden Internationalen Kongresses im Jahre 2000
(im Heiligen Jahr) auf die wichtige Fragestellung rund
um die Organtransplantation hingewiesen. Er stellte
fest, dass jede Transplantation in Entscheidungen von
großer ethischer Bedeutung eingebettet ist. Das gilt für
die Person, die das Organ zur Verfügung stellt und
ebenso für dessen Empfänger. Der Papst betonte damals,
dass die Übertragung eines solchen lebenswichtigen Organs
einen echten Akt der Liebe darstellt. 
Gegen den
Organhandel, wie er manchmal von Ländern der dritten
Welt berichtet wird, nahm der Bischof dezidiert
Stellung: „Es ist dies nicht nur die Hingabe von etwas,
das uns gehört, sondern die Hingabe eines Teiles von mir
als Person, weil jeder körperliche Teil integrativer
Bestandteil meiner Person ist, die sich in meinem
seelischen Ich darstellt, aber immer auch in meinem
Körper manifestiert. Daher kann ich eine Vorgangsweise,
die in Richtung verstärkter Kommerzialisierung
menschlicher Organe geht, oder diese gar als Handelsware
betrachtet, moralisch nicht akzeptieren. Wer den Körper
eines Menschen als Objekt betrachtet, verletzt dessen
Würde. Daher sehe ich in einer Organspende keinen rein
organisatorischen oder gar geschäftlichen Vorgang,
sondern einen liebevollen interpersonalen Akt.“
Liebe hat
immer mit freier Zustimmung zu tun. Wenn die Organspende
in diesem Rahmen der Nächstenliebe stattfindet und
Mitmenschen retten kann bzw. das Leben neu zu schenken
vermag, ist sie ohne Einschränkung zu begrüßen und zu
unterstützen. In diesem Zusammenhang gibt uns Jesus
Christus selbst das eigentliche Beispiel. Er hat aus
Liebe zu uns Menschen und aus freien Stücken sein Leben
hingegeben, damit wir das Leben haben – und es in Fülle
haben, also auch das ewige Leben in Gott. Dies möge uns
eine Orientierung bei allen Überlegungen dienen, die bei
diesem Symposium angestellt werden. Ein Soll für alle –
ein Segen für viele!
Gibt es eine Alternative zur Organtransplantation?
Univ.Prof. Dr. Ferdinand Mühlbacher ( Leiter der klinischen
Abteilung für Transplantation der Universitätsklinik
Wien)
Warum
musste ich mich mit Alternativen zur Transplantation
beschäftigen? Erstens muss ich im Rahmen der Aufklärung
dem Patienten vor Augen führen, welche
Therapiemöglichkeiten zur Verfügung stehen. Er trifft
dann die freie Entscheidung. Erfahrungsgemäß hängt diese
sehr davon ab, wie man die Möglichkeiten präsentiert.
Ein verantwortungsvoller Arzt wird zur Transplantation
raten, wenn es medizinisch möglich ist. Zweitens soll ich
dem Patienten etwas Vernünftiges anbieten, wenn er aus
irgendeinem persönlichen Grund die Transplantation
dennoch ablehnt. Und drittens gibt es einfach auch
Kontraindikationen gegen eine Transplantation. In einem
solchen Fall muss man dem Menschen Hoffnung geben und
Behandlungen anbieten können, die im auch ohne ein neues
Organ ein möglichst lebenswertes Leben bieten.
Bei
Nierenpatienten ist dies die künstliche Blutwäsche in
Form der Hämodialyse (als Zentrumsdialyse oder
Heimdialyse) oder als Peritonealdialyse
(Bauchfelldialyse). Etwa 10% der Patienten vertragen die
Dialysebehandlung hervorragend und sind sogar
berufsfähig. Die große Mehrzahl der Dialysepatienten
sind jedoch einem mehr oder minder großen Leidensdruck
ausgesetzt.
Kostenvergleich von Transplantation und
Dialysebehandlung:
Die Dialyse
kostet pro Jahr und Patient rund 60.000,- Euro, eine
Transplantation beläuft sich im Schnitt auf 57.000 Euro.
Im ersten Jahr ist der Aufwand also ungefähr gleich. Aber
bereits im zweiten Jahr erweist es sich, dass der
Transplantationspatient an Medikamenten und Nachsorge
nur 10.000,- Euro benötigt, während die
Dialysebehandlung jedes Jahr in der ursprünglicher Höhe
zu Buche schlägt. Nach drei Jahren beträgt der
Gesamtaufwand für den Transplantierten auf 77.000,-
Euro, während er für den Dialysepatienten 180.000,- Euro
beträgt. Durch die hohe Überlebensdauer der
Transplantate wird die Differenz immer größer. Die
Transplantation spart also enorm viel Geld, was auf der
ganzen Welt eine anerkannte Tatsache ist.
Mortalität
und Warteliste: Dialysepatienten, die nicht auf der
Warteliste stehen, haben eine Todesrate von 161 pro
tausend Patientenjahren. Diejenigen, deren
gesundheitlicher Zustand für eine Aufnahme in die
Warteliste ausreicht, weisen eine Todesrate von nur 63
auf; und im Vergleich dazu die Transplantierten eine
solche von nur 38. Die Dialyse stellt also eine
Alternative zur Transplantation dar, aber eben eine
schlechtere. Die Lebenserwartung an der Hämodialyse bzw.
mit Peritonealdialyse ist im übrigen etwa gleich.
Die
durchschnittliche Wartezeit auf eine
Nierentransplantation beträgt in Österreich derzeit
zwischen 18 und 25 Monaten. Der Tod auf der Warteliste
betrifft weniger als 5% der Vorgemerkten. Bei den
Lebertransplantierten sind es hingegen 23% und bei den
Herzpatienten 15%. Wenn man die verschiedenen
Nierenersatztherapien vergleicht, spielt natürlich auch
die Lebensqualität eine Rolle. Nicht zuletzt aus diesem
Grund versuche ich, Patienten zu einer Transplantation
zu überreden, wenn sie aus Angst oder persönlichen
Gründen ursprünglich dagegen sind.
Was leistet die
Organtransplantation heute?
Univ.Prof. Dr. Raimund Margreiter, Vorstand der
Universitätsklinik für Chirurgie, Innsbruck
Die
Überlebensrate transplantierter Organe wurde ständig
weiter verbessert. Im Jahr 2004 haben wir in Innsbruck
114 Patienten transplantiert. Davon waren nach einem
Jahr 110 Organe funktionstüchtig, was einer
Einjahres-Überlebensrate von 96,5% entspricht. Von
solchen Ergebnissen wagte man noch vor wenigen Jahren
nicht einmal zu träumen. Nach einer zweiten oder dritten
Transplantation sind die Ergebnisse natürlich nicht mehr
so exzellent. Das Transplantatüberleben beträgt bei
einer dritten Transplantation nach zwei Jahren aber
immerhin noch etwa 65% .
Bei der
Verpflanzung von Bauchspeicheldrüsen hat sich die
Technik so entwickelt, dass man dieses Organ heute
umdreht und ein Segment mit einer oberen Darmschlinge
verbindet, sodass die Verdauungssäfte von der
Bauchspeicheldrüse in den Darm abgeleitet werden, wo sie
physiologischerweise hingehören.
Breiten Raum
der Ausführungen von Professor Margreiter nahmen die
Fortschritte bei der Transplantation von Leber, Lunge,
Darm und Herz ein. Besonders bei der Herztransplantation
ergaben sich viele Verbesserungen. In Innsbruck hat man
von Sept. 1999 bis in das Jahr 2005 bei über hundert
konsekutiven Transplantationen keinen einzigen Patienten
verloren.
Zu den
besonderen Leistungen der Organtransplantation zählen
natürlich die kombinierten Verpflanzungen. Die
diesbezüglichen Meilensteine sind:
Leber-Bauchspeicheldrüse (1966 von Kelley, Lillehei),
Herz-Lunge (1968 von Cooley), Herz-Niere (1973 von
Cooley), Leber-Bauchspeicheldrüse (1979 von Calne),
Leber-Niere (1983 von Margreiter), Herz-Leber (1984 von
Bahnson, Starzl), Herz-Lunge-Leber (1988 von Wallwork,
Calne).
Dem
Polizisten Theo Kelz, der seine Hände durch eine
Briefbombe verloren hatte, wurden im März 2000 zwei
gesunde neue Hände transplantiert. Der Patient konnte
bald sein Motorrad wieder lenken und hat in der
Zwischenzeit damit eine Reise um die Welt gemacht. Nach
schweren Verletzungen des Gesichts können heute
Gesichtstransplantationen sehr erfolgreich durchgeführt
werden. Wo die Technik noch nicht so ganz ausgereift
ist, das ist die Bauchspeicheldrüse.
Ein großes
Ziel ist die Induzierung einer spezifischen
Immuntoleranz beim Organempfänger, nachdem man zum
Zeitpunkt des Eingriffs Spender und Empfänger so
manipuliert, dass eine spätere Einnahme von
Immunsuppressiva nicht mehr notwendig ist. Wir wissen,
dass es unabhängig davon auch eine spontane Immuntoleranz
gibt, allerdings nur in wenigen Einzelfällen. Man
arbeitet daran, solche Vorgänge zu verstehen.
Ebenso ist
auch mit durchschlagenden Erfolgen auf dem Gebiet der
Xenotransplantation (die Übertragung von tierischen
Organen) nicht so rasch zu rechnen. Was die Organe von
Menschenaffen betrifft, könnte man das mit den uns zur
Verfügung stehenden Medikamenten heute schon
bewerkstelligen, weil wir uns in der gleichen
zoologischen Familie befinden. Bei allen andern Tieren
haben wir Menschen natürliche Antikörper gegen ein
Zuckermolekül, das sich bei diesen praktisch an allen
Zelloberflächen befindet. Durch Genmanipulation kann man
Tiere züchten, welche dieses Zuckermolekül nicht mehr
haben. Aber es kommt zu einer so genannten akuten
Xeno-Abstoßung, die medikamentös noch nicht zu
beherrschen ist. Wenn es erstmals Übertragungen von Tier
auf Mensch gibt, dann sind es sicherlich Inselzellen
(insulinproduzierende Zellen) zur Heilung des Diabetes.
Spendertier hiefür wäre das Schwein. Auch die
Übertragung isolierter Leberzellen könnte durch das
Einschleusen eines Gens in absehbarer Zeit gelingen.
Lebendspende-Liebesspende
Referat von Walter
Kiesenhofer,
Linz
Im Anschluss
an Professor Margreiter durfte ich als letzter
Referent über das Thema "Lebendspende - Liebesspende"
sprechen .... etwas, das ich seit 1999, wo mir meine
Frau Rosi eine ihrer beiden Nieren spendete, sehr gern
tue. Die Gefühle der Dankbarkeit und Verbundenheit, die
mit einer solchen Lebendspende verbunden sind,
bildeten zum Schluss eine gute Abrundung des gelungenen Symposiums.

Ein ausführlicher Bericht darüber befindet sich auf
meiner homepage zu folgendem link:
http://www.raumzeitlust.com/tex_lebendspendet.htm
Walter Kiesenhofer |